Syntopia Alpina: Institut lanciert eigenes Online-Magazin

Bilder von Marco Volken umrahmen das Projekt Syntopia Alpina. (Bild Marco Volken)

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Das Institut «Kulturen der Alpen» veröffentlicht ab sofort immer am Dienstag einen Fachbeitrag im eigenen Online-Magazin «Syntopia Alpina».

«Syntopia Alpina» ist das neue Online-Magazin des Urner Instituts «Kulturen der Alpen». Es liefert ab sofort wöchentlich einen Fachbeitrag zu einem Thema rund um die Alpen und ist diese Woche mit den ersten fünf Beiträgen online gegangen. Sie behandeln unter anderem eine tierische Lösung gegen die zunehmende Verbuschung der Berghänge, das Abschmelzen des Permafrostes sowie Chancen der Digitalisierung für das Berggebiet. Die Alpen als Lebensraum und Initiativen, die sich der Nachhaltigkeit verschreiben, stehen stets im Fokus.

Das Magazin richtet sich an interessierte Personen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft, die sich mit den Herausforderungen und Perspektiven des Alpenraums beschäftigen. Die Essays aus den verschiedensten Fachrichtungen bringen anwendungsbasiertes Erfahrungswissen mit der aktuellen Forschung zusammen. Als Plattform vernetzt «Syntopia Alpina» Forschende und in der Praxis verankerte Fachleute; als transdisziplinäres Publikationsprojekt trägt es innovative und nachhaltige Ideen und Zukunftsmodelle für den Alpenraum in die breite Bevölkerung.

Expertinnen und Praktiker tauschen sich aus

«Syntopia Alpina» vermittelt, vernetzt und setzt Impulse – lokal, regional und übergreifend im Alpenraum. Das Online-Magazin präsentiert gemeinsame Orte, an denen unterschiedliche Nutzungen des alpinen Raums fruchtbar aufeinandertreffen und der Biosphäre einen Mehrwert verschaffen. Der Schweizer Alpenraum wird im Hinblick auf die grossen Herausforderungen dieses Jahrhunderts im nationalen, europäischen und globalen Kontext neu situiert. Zu Wort kommen daher renommierte Expertinnen und Experten sowohl aus der Wissenschaft als auch explizit aus dem Bereich des anwendungsbasierten Erfahrungswissens. Die Beiträge schlagen sinnvolle Umsetzungsideen vor, versammeln Erfahrungen vor Ort und verbinden diese mit Zukunftsmodellen.

Nutzungskonflikte liegen auf der Hand

In den Beiträgen von «Syntopia Alpina» stehen unter anderem Nutzungskonflikte im Fokus, die im Alpenraum schlicht auf der Hand liegen: Der Wanderer, der nicht mit Mutterkühen umzugehen weiss, bringt die Bäuerin in Erklärungsnotstand. Die geplante Erhöhung der Staumauer vernichtet Moorflächen und erzürnt Umweltschutzorganisationen. Das Restwasser in den Bächen unterhalb der Kraftwerke ist für gewisse Fischarten zu wenig, für die Energieproduktion zu viel. Und ausgetragene Gülle auf der Wiese stinkt bis ins nahegelegene Hotel. Wirtschaft, Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz stehen stets in einem wechselseitigen Nutzungskonflikt. Gleichzeitig spielt in den Online-Beiträgen von «Syntopia Alpina» der Klimawandel als Bedrohung des Lebensraums eine grosse Bedeutung, von dem die Alpen besonders betroffen sind.

Aufnahmen von Marco Volken bereichern Beiträge

Auf der Plattform «Syntopia Alpina» wird in den nächsten Monaten ein wachsendes Kompendium mit Beiträgen an der Schnittstelle zwischen den prägenden Wirtschafts- und Kultursektoren im Alpenraum entstehen. Eine Auswahl der publizierten Online-Beiträgen erscheint 2023 in einem gedruckten Jahressammelband, der auch im Buchhandel erhältlich sein wird.

Auf der Bildebene schaffen überdies die Aufnahmen des Zürcher Bergfotografen Marco Volken eine visuelle Klammer über das Gesamtprojekt «Syntopia Alpina». Sie sind den jeweiligen Essays vorangestellt und nehmen inhaltlich darauf Bezug, sind jedoch als eigenständige Beiträge konzipiert und bereichern die Beiträge durch zusätzliche ästhetische, kritische oder auch entgegengesetzte Aussagen. Für «Syntopia Alpine» zuständig sind Prof. Dr. Boris Previšić (inhaltliche Verantwortung), Madlaina Bundi (Projektmanagement und Editionsverantwortung) sowie Aline Stadler (Redaktion).

Das Projekt «Syntopia Alpina» wird ermöglicht durch die Stiftung Lucerna, die Otto Gamma-Stiftung, die Forschungskommission der Universität Luzern, die UBS Kulturstiftung sowie die P. Herzog-Stiftung Luzern.

Hinweis

Ein Newsletter, der immer Ende Monat verschickt wird, stellt stets die neuesten Beiträge vor. Mehr Infos gibt es unter

www.syntopia-alpina.ch.

 

 

Interview:«Das Online-Magazin eröffnet einen Einblick in unsere Forschung»

Boris Previšić, das Urner Institut «Kulturen der Alpen» lanciert ein eigenes Online-Magazin, weshalb?
Boris Previšić: Seit der Aufnahme unserer Tätigkeit in Altdorf vor zwei Jahren werden wir von einer nationalen und internationalen Community der Alpen- und Gebirgsforschung, aber auch von Praktikerinnen und Praktikern vor Ort immer intensiver wahrgenommen. Umso öfter werden wir kontaktiert und stehen im Austausch mit Forschenden und Institutionen, die mit dem Institut in unterschiedlichen Formen assoziiert sind und ihren inhaltlichen Beitrag zu unseren Forschungsfeldern leisten, namentlich in den Sektoren Energie, Landwirtschaft und Tourismus. Das Online-Magazin eröffnet nun einen Einblick in diese vielfältige Forschung und Erfahrung, indem es anschaulich und ansprechbar wichtige Inhalte des Alpenraums vermittelt.

Klimawandel, Naturschutz, Overtourismus, Zweitwohnungsgesetz, Brain-Drain und Grossraubtiere: Der Alpenraum kämpft mit vielerlei Herausforderungen. Hat er als Lebensraum überhaupt eine Zukunft?
Previšić:
Und wie! Gerade weil die Herausforderungen im Alpenraum schneller als anderswo sichtbar werden, werden sie letztlich auch besser bewältigt. Wenn die Herausforderungen als Chancen gepackt werden, um sich regional und überregional zu positionieren, bieten die Alpen auch ein Modell für andere Regionen, wie mit so genannten Megatrends klug umgegangen werden kann. Aber dazu braucht es eine Grundlagenforschung an den Schnittflächen zwischen verschiedenen Disziplinen und Fragestellungen. Es braucht ein Denken, das Erkenntnisse aus der Praxis ernst nimmt und sie wiederum in einen grösseren Zusammenhang stellt.

Somit kann die Plattform «Syntopia Alpina» Antworten auf die aktuellen Herausforderungen des Alpenraums geben.
Previšić: Wir bleiben bescheiden: Mit «Syntopia Alpina» leisten wir einen Beitrag, dass unsere Alpen – und vielleicht auch unser Land – weiterhin lebenswert bleiben.

Warum eigentlich der Name «Syntopia Alpina»?
Previšić: Es handelt sich dabei um eine neue Wortschöpfung, die ich mir aus dem Altgriechischem zusammengezimmert habe. Wir kennen alle Wörter mit «syn» oder «sym» wie Synergie oder sympathisch. Diese Vorsilbe bedeutet nichts anderes als miteinander oder zusammen, während «Topos» auf den Ort hinweist. Somit geht unser Online-Magazin davon aus, dass der Alpenraum einen Ort darstellt, in dem wir zusammen an einem Strick ziehen, dafür zusammenkommen, uns austauschen und auch verschiedene Lebensbereiche und Wirtschaftssektoren zusammendenken.