Tagung: Wie nachhaltig ist Alpenstrom?

Foto: Ivo Schillig

Event

Die Tagung beleuchtet in zwei Themenblöcken zum einen die geschichtliche Entwicklung von und den heutigen Umgang mit Kraftwerken und zum anderen die gesellschaftliche und politische Organisation der erneuerbaren Stromproduktion, insbesondere das Verhältnis zwischen lokalen und überregionalen Förderstrategien.

Eigentlich war die «weisse Kohle» ein Versprechen. Eines, auf welches die energiehungrigen und wasserreichen Alpenländer im ausgehenden 19. Jahrhundert ihre Hoffnungen auf eine unerschöpfliche Energieressource zu setzen begannen. Mit imposanten Stauwerken sollte die alpine Wasserkraft unter Kontrolle gebracht werden und die Stromversorgung der Städte von abgelegenen Bergtälern her speisen. Im 20. Jahrhundert machten die beiden Weltkriege zudem deutlich, dass sich ein Land ohne fossile Brennstoffe in Krisenzeiten nicht allein auf deren Import verlassen durfte. Diese erhöhte Nachfrage nach inländischer, subsistenzwirtschaftlicher Energie führte in der Schweiz dazu, dass der Bau von Wasserkraftwerken bis in die 1970er Jahre massiv zunahm. Dieser «Boom» hatte auch seine Schattenseiten: Weiden, Felder und Dörfer der dort wohnhaften Lebensgemeinschaften wurden überflutet. Heute – mit der Wende zu erneuerbaren Ressourcen und dem nationalen Entscheid zum Atomausstieg – hat die Wasserkraft noch stärker an Bedeutung gewonnen. Gegenwärtig beträgt der Anteil der Wasserkraft an der inländischen Stromproduktion rund 57%, wobei fast zwei Drittel davon in den Bergkantonen Uri, Graubünden, Tessin und Wallis produziert werden. Die derzeitige durchschnittliche Jahresproduktion von rund 36'567 Gigawattstunden (GWh) soll laut Energiestrategie bis 2050 auf 38’600 GWh gesteigert werden.

Seit 2009 werden erneuerbaren Energien mit der kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) gefördert. Mit der Annahme des revidierten Energiegesetzes (EnG) im Jahr 2017 haben Parlament und Stimmvolk die Weiterführung und den Ausbau der KEV für Photovoltaik, Windenergie, Biomasse und Kleinwasserkraftwerke und eine temporäre Förderung von Grosswasserkraftwerken beschlossen. Dies führte zu einem zweiten kleinen «Boom», zumindest im Kanton Uri:  In den letzten 10 Jahren gab es viele Neu- und Ausbauten wie das Kleinwasserkraftwerk Leitschach (in Betrieb seit 2009), das Trinkwasserkraftwerk Seedorf (in Betrieb seit 2010), die Kraftwerke bei Bristen (in Betrieb seit 2017), im Erstfeldertal (in Betrieb seit 2020), bei Sagibach (in Betrieb seit 2016) und bei Schächen (in Betrieb seit 2020) sowie die beiden in Isenthal (Ausbau 2008/2009) und in Gurtnellen (2016/2017 erneuert).

Wir wollen diese Entwicklungen und damit verbundenen Vorstellungen der Stromproduktion diskutieren: Was sind die Vorteile und Herausforderungen dezentralisierter Stromproduktion? Inwiefern können EWU und EWE als Vorbilder für andere Regionen der Welt dienen? Wie könnte eine nachhaltige Kollaboration zwischen Stadt- und Bergkantonen in Zukunft aussehen? Inwiefern stehen lokale und überregionale Energiestrategien in Übereinstimmung oder im Widerspruch zueinander? Was sind die Chancen und Risiken eines gesamteuropäischen Strommarkts? Und wie sollte eine zukunftsträchtige und nachhaltige Stromproduktion gesellschaftlich und politisch organisiert sein?

Montag, 6. September

10:00 Uhr Empfang
10:30 Uhr Begrüssung

Block 1: Infrastrukturen der Wasserkraft und ihre Alternativen
In diesem Block soll es nicht darum gehen, ob es Alternativen zur Wasserkraft gibt, sondern wie gross ihr Potenzial ist.

10:45 Uhr Input: Dam Removal: Ein Blick in die Zukunft von Staudämmen
11:15 Uhr Input : Das Potential von Vertikalstrom im Alpenraum
11.45 Uhr Kaffeepause
12:00 Uhr Panel: Infrastrukturen der Wasserkraft und Alternativen
13:00 Uhr Mittagspause

Block 2: Lokale vs. überregionale Stromstrategien
Dieser Block soll direkt an die Frage des Potenzials der Alternativen anschliessen und insbesondere auch die Frage nach der Verpflichtung der Alpenkantone das Flachland mit Strom zu versorgen, ansprechen.

14:00 Uhr Input 1: Micro-Grids, nationale Stromversorgung und gesamteuropäische Netze: Welche Grösse sollte ein Stromnetz haben?
14:30 Uhr Input 2: Energie Demokratie und Energie Gerechtigkeit: Gesellschaftliche Komponenten der Stromversorgung 
15:00 Uhr Kaffeepause
15:30 Uhr Panel: Lokale und überregionale Stromstrategien. Ein Widerspruch?
16:30 Uhr Tagungsschluss

Dienstag, 7. September 2021

Exkursion in die nähere Umgebung von Göschenen.

Hinweis

Anmeldung ist obligatorisch bis am 29. Oktober 2021 via Mail.

Es wird ein Beitrag zur Deckung der Unkosten in der Höhe von CHF 60.- erhoben.