Geschichte der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in Uri

Kinderheim Uri

2014 beauftragte der Bund eine unabhängige Expertenkommission mit der Erforschung der administrativen Versorgung. 2017 trat das Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 in Kraft. Das Gesetz sieht vor, dass Betroffene einen Solidaritätsbeitrag erhalten, dass die Thematik wissenschaftlich aufgearbeitet wird und Zeichen der Erinnerung geschaffen werden.

Seither ist viel getan worden, um diesen dunklen Teil der Schweizer Geschichte aufzuarbeiten. Nebst der Aufarbeitung durch den Bund haben zahlreiche Kantone und Institutionen eigene Forschungsaufträge vergeben, die ein immer klareres Bild zwangsfürsorgerischer Praktiken vermitteln. Darüber hinaus wird auch immer deutlicher, in welchen Bereichen der Staat und die Justiz Betroffene – etwa bei körperlichen Übergriffen – unzureichend schützte.

Über Handhabung und mengenmässige Dimension fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen im Raum Uri herrscht weitgehend Unklarheit. Im Zuge der Solidaritätszahlungen des Bundes behandelte das Staatsarchiv Uri 25 Gesuche von Betroffenen. Aufgrund des Vergleichs mit anderen Kantonen und dem historischen Wissensstand muss jedoch von einer wesentlich höheren Zahl ausgegangen werden.

Der Historische Verein Uri adressiert diese Wissenslücke und gibt eine Studie in Auftrag, welche fürsorgerische Zwangsmassnahmen in Uri aufarbeitet. Die Studie verfolgt ein gesellschaftliches und ein wissenschaftliches Ziel: Erstens stellt sie Dimension und Formen von Zwangsmassnahmen in Uri umfassend dar. Sie schafft dadurch ein gesellschaftliches Bewusstsein über diese Praktiken und setzt ein Zeichen der Anerkennung an die Betroffenen und deren Nachkommen.

Zweitens birgt das Feld grosses Potenzial für die Forschung zur Sozialgeschichte Uris und zur Geschichte des Sozialstaats allgemein. Die Studie geht deshalb über den lokalhistorischen Anspruch hinaus und untersucht Praktiken der ausserkantonalen Verschickung und von Konkordatsmechanismen. Durch diese Konzeptualisierung trägt sie zur laufenden Fachdebatte auf nationaler Ebene bei.

Prof. Dr. Nadja Ramsauer (ZHAW) führt seit Februar 2020 mit Dr. Susanne Businger für den Historischen Verein des Kantons Uri ein zweijähriges Forschungsprojekt zur Geschichte der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen im Kanton durch. Das Institut «Kulturen der Alpen» stellt den Forschenden die Büroräumlichkeiten in Altdorf zur Verfügung.

KOOPERATION
Historischer Verein Uri

START
Februar 2020

ABSCHLUSS
Juni 2022

BETEILIGTE
Prof. Dr. Nadja Ramsauer (ZHAW)
Dr. Susanne Businger (ZHAW)