Operation Beton. Zur Wahrnehmung von Energieinfrastruktur in alpinen Landschaften

Der Ausbau von erneuerbaren Energien, wie Wasserkraft, Wind und Photovoltaik, wird mit den Netto-Null CO2-Emissionszielen der EU und der Schweiz für 2050 nochmals dringlicher. Dieser Ausbau steht dabei vor allem im Alpenraum häufig in Konflikt mit dem Erhalt von traditionellen Kulturlandschaftsbildern wie sie von Natur- und Heimatschutz gefordert werden. Dieser Konflikt, beziehungsweise die damit verbundene Rhetorik basiert auf der Dichotomie zwischen Natur und Kultur: Eine intakte, ursprüngliche Natur, sollte möglichst vor der Veränderung durch den Menschen geschützt werden. Und obwohl dies nicht stimmt, stehen sich graue Staumauern und grün saftige Alpwiesen als unvereinbare Gegensätze – als Technik und Natur – gegenüber. Wie wollen wir mit diesem Denk- und Nutzungskonflikt umgehen?

In diesem Projekt werden wir mit Stakeholdern (also sowohl mit wissenschaftlichen als auch mit nicht-wissenschaftliche Akteure, wie u.a. Talsperren-Sicherheitsbeauftragte, Natur- und Heimatschützer*innen, Bewohner*innen der Fallstudienregionen, Wanderer und Touristinnen) zusammenarbeiten. Dabei geht es aber nicht um die soziale Akzeptanz oder die Einstellung gegenüber der erneuerbaren Energien, sondern um andere, sinnlichen Wahrnehmungsweisen solcher Infrastrukturbauten. Dabei wird das Hören im Fokus stehen: Die Idee dabei ist, dass der Mensch durch die Technologie des Tonaufnahmegerätes ein anderes Hören erfährt, ein Hören durch Mikrofone, was wiederum sein eigenes Hören mit den Ohren beeinflusst und die Wahrnehmung der akustischen Um-welt fördert. Schlussendlich testen wir in diesem Projekt, ob mittels dieser Methode Uneinigkeiten und Differenzen hinsichtlich der Bedeutung von Energie-Infrastrukturen und deren Präferenzen und Bedeutungszuschreibungen explizit gemacht, verhandelt und diskutiert werden können.

Annina Boogen ist assoziierte Forscherin am Institut «Kulturen der Alpen».

BETEILIGTE
Annina Boogen