«Wir Bergler in den Bergen...»

Ein NAGRA-Aufnahmegerät. Mit einem solchen Gerät machte Fredi M. Murer die Tonaufnahmen für seinen Film. (Bild: Sophia Murer)

Digitalisierung und Auswertung von Tonaufnahmen zum Film von Fredi M. Murer

 

Als Fredi M. Murer 1973–1974 den Dokumentarfilm «Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, dass wir da sind» über die Urner Bergbauern realisierte, brachte er nicht nur belichtete Filmrollen ins Tal, sondern auch rund 160 Magnet-Tonbänder. Sie waren bespielt mit atmosphärischen Klangbildern, Erzählungen von und Gesprächen mit Bergbäuerinnen und Bergbauern sowie themenbezogene Interviews mit verschiedenen Urner Persönlichkeiten, die im Hinblick auf die bevorstehenden Dreharbeiten aufgenommen wurden. Mehrheitlich aber entstanden die Aufzeichnungen während den Filmaufnahmen vor Ort, die sich über vier Jahreszeiten erstreckten. Im fertigen, 108 Minuten dauernden Film konnte nur ein kleiner Teil davon verwendet werden.

Diese umfangreichen Tonaufnahmen sind wertvolle Zeitdokumente über die damalige Situation der Urner Berglandwirtschaft. Sie bieten nicht nur Einblicke in die damalige Lebenswirklichkeit der Bäuerinnen und Bauern im Göschenertal, im Schächental, auf dem Urnerboden und im Maderanertal, sondern auch in ihr Erleben und Denken, das von Tal zu Tal ganz unterschiedlich ist. Diese Unterschiede kommen auch im Klang und Wortschatz der Dialektsprachen zum Ausdruck. Die Bäuerinnen und Bauern erzählen über ihr Leben, Wirken, Hoffen und Bangen und nehmen dabei oft Bezug auf ihre Vorfahren und deren alte Traditionen im rauen Berggebiet.

In diesen Magnetbändern schlummern auditive Schätze in Form von Lebenserinnerungen, Sagen, Armenseelengeschichten, Schulaufsätzen, Betrufen oder dem «Eid der Älpler». Zu hören sind aber auch atmosphärische Klangbilder und Geräuschkulissen, welche uns heutzutage kaum noch zu Ohren kommen.

Um die Tonaufnahmen für die Nachwelt zu erhalten und der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen, werden die Magnetbänder im Frühjahr 2021 durch das peakfein Studio (Paul Avondet, Sophia Murer) digitalisiert und auf einer Website veröffentlicht. Darüber hinaus ist in Zusammenarbeit mit dem Institut «Kulturen der Alpen» eine Lehrveranstaltung geplant. Dort werden die Zeitdokumente gemeinsam mit Studierenden analysiert und kontextualisiert. Die in der Lehrveranstaltung entstehenden Arbeiten sollen ebenfalls auf der Website veröffentlicht werden.

Die Digitalisierung der Tonbänder wird finanziell durch die Dätwyler Stiftung und den Lotteriefonds des Kantons Uri unterstützt.

START
Januar 2021

ABSCHLUSS
Mitte 2022

BETEILIGTE
Sophia Murer (Leitung)
Fredi M. Murer
Romed Aschwanden