Viele Menschen erlebten und erleben den Kanton Uri vor allem als Korridor und als Nadelöhr auf der wichtigsten Nord-Süd-Verkehrsachse Europas. Früher war es der Transit über den Gotthardpass und den Scheiteltunnel, heute jener über die Autobahn und durch den Basistunnel, welche die Wahrnehmung des Kantons präg(t)en. Aus der Perspektive der ansässigen Bevölkerung wird diese Realität als «Durchgangsraum» hingegen heute vor allem hinsichtlich der Belastung durch den Verkehr und die damit verbundenen Infrastrukturen empfunden und thematisiert. Oft geraten dabei allerdings die vielfältigen und auch ambivalenten kulturellen Effekte aus dem Blick, die durch diese Bedeutung als Transitregion entstanden sind. Diesen kulturellen Phänomenen im Transitraum Uri widmen sich fünf Kulturschreiber:innen.

Kulturschreiber
Joachim Schloemer, Choreograf, Regisseur, Autor und Dramaturg, entwickelt literarische Stoffe zu präzise komponierten szenischen Räumen, in denen innere Konflikte und gesellschaftliche Bruchzonen emotional und körperlich erfahrbar werden. Seine Texte, insbesondere Theaterstücke, beziehen sich häufig auf mythologische Stoffe. Er arbeitet von Basel aus interdisziplinär in den Bereichen Film, Literatur, Tanz, Theater und Medienkunst.

Kulturschreiber
Dr. phil. Christian de Simoni ist Schriftsteller und lebt in Bern. Er arbeitet auch als Lektor und Ghostwriter. Zwischen 1999 und 2009 studierte er Germanistik in Bern, Köln und Zürich und promovierte über Gegenwartsliteratur nach 9/11. Er nahm an der Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin teil und erhielt für einen Auszug aus dem Roman Rückseitenwetter (2011) den Literaturpreis Prenzlauer Berg. Bräuche, politische Diskurse und Volksdichtung interessieren ihn besonders. In zwei Essaybänden beschäftigte er sich mit dem Volkslied (Das Rigilied, 2017) und mit dem Wandern als kultureller Praxis (wandern/schreiben, 2023).

Kulturschreiberin
Zohra Felicitas Briki arbeitet an der Schnittstelle von künstlerischer Praxis, Wissensproduktion und Kulturvermittlung. Sie studierte Geschichte und Philosophie des Wissens an der ETH Zürich sowie Germanistik und Medienwissenschaften an der Universität Basel und ist in der Schweiz und den USA in Kunst-, Kultur- und Wissenschaft tätig. Ihre Praxis umfasst die Entwicklung dialogischer Formate, kuratorische Arbeit sowie Textentwicklung und -redaktion. Dabei stehen gemeinschaftliches Experimentieren, Nachdenken und Handeln im Vordergrund. Im Rahmen des Kulturschreiber:innen-Stipendiums entwickelt sie mit Index Uri ein offenes, prozessuales Schreibprojekt, das Uri als Transitregion untersucht. Die Recherche mündet in ein dynamisches Lexikon, das als Grundlage partizipativer Formate dient und unterschiedliche Lesarten des Raums eröffnet.

Kulturschreiberin
Seraina Kobler, geboren 1982 in Locarno und aufgewachsen in Basel, arbeitete nach dem Studium der Linguistik und Kulturwissenschaften als Journalistin unter anderem bei der ›Neuen Zürcher Zeitung‹, bevor sie sich als Autorin und Schriftstellerin selbstständig machte. 2020 erschien ihr Romandebüt ›Regenschatten‹. Ihr erster Zürich-Krimi um die Seepolizistin Rosa Zambrano, ›Tiefes, dunkles Blau‹, erschienen im Diogenes Verlag, stand monatelang auf der Schweizer Bestsellerliste. Im Frühling 2026 erscheint ihr helvetischer Abenteuerroman ›Tal der Schwalben‹. Seraina Kobler ist Mutter von fünf Kindern und lebt mit ihrer Familie in Zürich.

Kulturschreiberin
Andrea Keller, geboren 1981 im Zürcher Unterland, arbeitet an der Schnittstelle von Literatur, Kulturvermittlung und partizipativen Formaten. Sie hat in Winterthur am Institut für Angewandte Medienwissenschaft an der ZHAW Journalismus und Kommunikation studiert, einen Master in Kulturpublizistik (ZHdK, Zürich) und einen in Schreibpädagogik (Alice Salomon Hochschule, Berlin) absolviert. Als Initiantin von interdisziplinären Kulturprojekten und Schreibwerkstätten verbindet sie gesellschaftliche Themen mit künstlerischen, oft auch dialogischen Formaten. Seit einigen Jahren befasst sich Andrea zudem intensiv mit der Mensch-Natur-Beziehung.